Über viele Jahre lagen meine Bilder – von der Illustrator-Grafik über die EPS-Dateien für den Drucker bis hin zu den RAW-Bildern aus der Kamera – im iView Media. iView Media war immer ein striktes Medienarchiv ohne jeglichen Schnick-Schnack, wenn man der rudimentären Bildbearbeitung absieht, die das Programm immer mitbrachte.
Vor einigen Jahren wurde iView von Microsoft gekauft, bekam dort ein lang ersehntes Update (sogar für den Mac). Dann war trotz aller Beteuerungen von Microsoft Schluss mit Updates, so dass die RAW-Bilder aus neueren Kameras nicht mehr angezeigt wurden.
Media Expression heißt jetzt Media Pro
Jetzt heißt iView Media, die zu Media Expression wurden, einfach „Media Pro“ und liegt in den Händen von Phase One. Jetzt gibt es auch endlich wieder ein Update, so dass auch die RAW-Dateien aus neuen Kameras schnell und zuverlässig angezeigt werden.
Zurzeit gibt es nur eine englische Fassung – macht nichts, ich will wissen, ob Media Pro mein Medien-Archiv wieder so glatt verwalten kann, wie ich es von früher gewohnt bin. Das Test-Archiv besteht aus rund 250 GB mit etwa 16.000 Bildern von 1997 bis 2011 und wurde aus Apple Aperture mit der Option IPTC-Daten exportiert, damit die Metadaten wie Stichwörter, Events und Personen erhalten bleiben.
Bilder, Filme und Grafiken in Media Pro importieren
Der reine Import in Media Pro geht in einem flotten Marsch über die Bühne. Innerhalb einer halben Stunde sind alle Thumbnails mitsamt der Bewertung durch 1 bis 5 Sterne sichtbar. Alle Stichwörter sind sauber übernommen worden – IPTC ist schließlich die Grundlage für jede moderne Medien-Verwaltung.
Auch wenn alle Bilder in Media Pro importiert sind, arbeitet das Programm im Hintergrund weiter: Jetzt werden alle Daten für die Organisation der Bilder und Fotos in die Media Pro-Datenbank geschrieben: Exif, IPTC soweit vorhanden, Stichwörter, Events, Personen, Bewertung …
Bei Aufnahmen, die schon aus einem Archiv kommen, kann dieser Vorgang ein paar Stunden in Anspruch nehmen, auch wenn der Rechner noch neu und die Festplatte schnell ist. Bei Medien, die neben den Exif-Daten der Kamera keine weiteren Informationen mitbringen, läuft der Vorgang natürlich deutlich schneller ab.
Der Katalog mit den entzogenen Informationen kann aber schon während des Import-Vorgangs gespeichert werden … für alle Fälle, denn vielleicht liegen im Archiv uralte Bilddatenformate, die beim Einscannen der Bilder zu einem Absturz führen könnten.
Bei meinem Test-Import ist alles glatt gelaufen. Nach knapp 1,5 Stunden waren 250 GB und 16000 Bilder, Filme und Grafiken sauber gescannt, alle Stichwörter vorhanden, alle Bewertungen übernommen, tauchten alle Copyright-Einträge auf – also alle IPTC-Informationen waren sauber aufgenommen.
Ordnen und Suchen mit Media Pro
Media Pro legt diese Informationen an der Seite des Programmfensters ab. Jeder Eintrag hat eine runde Checkbox und eine Zahl: Das ist die Anzahl der Medien im Archiv, die mit diesem Eintrag ausgestattet sind. Ein Klick in die Checkbox und sofort werden alle Medien zu diesem Eintrag angezeigt. Keine Smart-Sammlungen, keine intelligenten Alben anlegen wie in Lightroom oder Aperture.
Wenn es in erster Linie darum geht, ein gepflegtes Archiv mit Hilfe von Metadaten anzulegen, ist Media Pro auch weiterhin unschlagbar elegant und intuitiv.
Natürlich kann auch Media Pro Kataloge nach selbst definierten Kriterien anlegen – z.B. Suche alle Medien mit Person X, die zwischen 2009 und 2011 mit dem Stichwort Veranstaltung versehen sind,
suche alle Aufnahmen zum Event Einweihung neues Firmengebäude Eschweiler 2003.

Media Pro unterstützt hierarchische Stichwörter. Werden Bilder auf den Begriff „Wochenmarkt“ gezogen, bekommen sie sowohl das Stichwort Wochenmarkt als auch den Oberbegriff Markt zugewiesen. Beim Anlegen eines Unterbegriffs erzeugt Media Pro sofort auch das einfache Schlüsselwort Wochenmarkt, damit das Archiv kompatibel zu Archiven bleibt, die hierarchische Schlüsselwörter nicht unterstützen. Mit hierarchischen Schlüsselwörtern stellt Media Pro einen Ersatz für den fehlenden Thesaurus – schließlich wissen wir ja nie, mit welchen Begriffen ein Benutzer nach Medien sucht: Markt, Wochenmarkt, Märkte?
Das Zusammenfassen von Medien nach dem Datum der Erzeugung ist bereits Teil der Grundausstattung von Media Pro, ebenso das Sortieren anhand der Bewertung oder des Fotografen.
Wenn Medien außerhalb von Media Pro bearbeitet werden, sorgt eine automatische Ordner-Überwachung dafür, dass stets die aktuellen Daten angezeigt werden.
Die Metadaten, die beim Einsortieren oder Verwalten der Aufnahmen mit Media Pro eingetragen werden, sollten regelmäßig mit den Medien synchronisiert werden. Bei der Synchronisation trägt Media Pro die Daten in die Bilder ein. Das Speichern der Metadaten in den Aufnahmen anstelle der reinen Verwaltung innerhalb eines Bildarchivs ist der Schlüssel eines sicheren und softwareunabhängigen Archivs. So bleibt die wertvolle Arbeit am Medienarchiv stets erhalten und wenn die Software gegen ein anderes Programm ausgetauscht wird, kann die neue Archiv-Anwendung für die Foto-Verwaltung sofort wieder eine durchsuchbare Ordnung auf der Basis der Metadaten in die Medien einbringen.
Apple Aperture und Adobe Lightroom vs. Phase One Media Pro
Sowohl Adobe Lightroom als auch Adobe Aperture sind hervorragend, solange ein Archiv aus den persönlichen Aufnahmen besteht, der größte Teil der Arbeitsabläufe stets in diesen Anwendungen von statten geht und nicht immer wieder Bildserien Dritten vorgelegt werden. Ein Fotograf oder ein kleines Fotostudio wird mit Lightroom oder Aperture wohl besser versorgt sein.
Beide Programme haben aber ein entscheidendes Manko, wenn der Fotograf / die Agentur Aufnahmeserien oder Auswahlen von Fotos einem Kunden oder anderen Abteilungen des Unternehmens vorlegen:
Alben, Sammlungen oder Kataloge – also Auszüge aus dem Gesamtarchiv – können zwar exportiert werden, aber es gibt keinen kostenlosen Reader, der es einem Dritten ermöglicht, Kataloge ohne Lightroom oder Aperture zu sichten, um z.B. Fotos für einen Artikel auszusuchen.
Kataloge erzeugen
Wenn das Bildarchiv nicht nur der Verwaltung der eigenen Bilder dient, sondern z.B. in einem Unternehmen Pressefotos, Aufnahmen von Events, Personen und Anlagen enthält, müssen immer wieder Bilder für die Presse und für „Verbraucher“ – also Abteilungen im eigenen Haus – als Auszug weitergegeben werden. Natürlich nicht die Originale, sondern z.B. größenreduzierte Kopien. Damit die Verbraucher ihre Bilder, Grafiken oder Filme komfortabel aussuchen können, kann Media Pro Kataloge erstellen, die mit denselben Ordnungsfunktionen wie die eigentliche Anwendung versehen sind.
Kostenlose Reader für Windows und Mac steht bei Phase One für den Download zur Verfügung. Im Auszug – z.B. alle Events, bei denen auch Person X im Bild ist – sucht sich der Verbraucher seine Fotos aus und bekommt eine Kopie der ausgewählten Bilder oder Filme aus dem Hauptarchiv.
Oder die Presseabteilung bekommt in regelmäßigen Abständen den Auszug mit allen aktuellen Fotos aus dem Archiv – das ist eine Frage der Arbeitsabläufe rund um das Medienarchiv im jeweiligen Unternehmen.
Fazit
Das Update für Media Pro durch PhaseOne hat alles gehalten, was sich die Benutzer des altgedienten Expression Media bzw. iView Media Pro erhofft haben: Weiterhin ist Media Pro schnell und stabil, die Arbeitsabläufe für das Organisieren einer Mediendatenbank sind elegant und intuitiv wie bereits zuvor, die RAW-Daten der Kameras haben endlich ein Update erfahren.
Dass die Benutzeroberfläche eine vorsichtige Modernisierung erfahren hat und jetzt ebenso abgrundtief dunkel ist wie Lightroom und Aperture … das ist eher reines „Chrom“. Ich persönlich halte weiße Schrift auf dunklem Hintergrund für anstrengend (es hat schon seinen Grund, dass wir Schwarz auf Weiß drucken). Bilder profitieren sicher von einer höheren Brillanz vor dem schwarzen Hintergrund – aber letztendlich landen nahezu alle Fotos doch wieder auf einem weißen Hintergrund.
Beim Update scheint die Funktion Virtual Earth verloren zu sein – schade.
Im Vergleich zu Extensis Portefolio und Cumulus gibt es keine Server-Version für Media Pro. Bilddatenbanken mit einer Server-Version bringen aber ein derart hohes Maß an Komplexität in den Arbeitsablauf, dass sie sich eher in Umgebungen mit reinen Archivaren eignen – für die Pflege von großen Pressedatenbanken, für professionelle Anbieter von Stockfotos, für große Agenturen, also überall dort, wo speziell geschulte Mitarbeiter sich intensiv mit dem Archiv auseinander setzen können.

Ich vermisse schmerzlich einige Bearbeitungsfunktionen, die in EM2 durchgeführt werden konnten, ohne zu externen Programmen greifen zu müssen.
Ferner dauert das Rendern für ein Foto auf dem Schirm mindestens 1-2 Sekunden, was in EM2 ohne spürbare Verzögerung gelingt!
Ferner müssen Scripts angepasst werden!
Ich bedauere, für das Update, das für mich nur eine anders gestylte Oberfläche bietet, Geld ausgegeben zu haben!