U. Häßler @ 2008-06

Sony Alpha 300 / 350

Während die Sony Alpha 200 – wäre sie Software und keine Kamera – im Grunde genommen nur ein kleines Update der Sony Alpha 100 war, sind die Sony Alpha 300 und Alpha 350 aus einem ganz anderen Holz geschnitzt: Hier steht die erste Kamera mit einer innovativen Vorschau auf dem Display im Rampenlicht.

Bislang konnten digitale Spiegelreflexkameras kein Vorschaubild auf das Display setzen, denn der Spiegel ist schlicht und ergreifend im Weg. Sony hat in das Dach der Alpha 350 neben dem optischen Sucher einen weiteren Schwingspiegel eingebaut, der das Live-Bild auf das rückwärtige Display überträgt. So wird ausschließlich die schnelle Phasen-Erkennung für den Autofokus eingesetzt und nicht – wie bei den meisten anderen Spiegelreflexkameras mit Life-Vorschau – eine Kontrasterkennung. Das macht den Live-View der Alpha 300 und Alpha 350 zum schnellsten und exaktesten Live View unter den Spiegelreflexkameras.

Live View der Sony Alpha

Die Sony Alpha 350 wie auch die Sony Alpha 300 lenken das Licht durch den semitransparenten Hauptspiegel auf den zweiten Spiegel im Sucherdach und von dort aus auf den Autofokussensor. So steht sowohl bei Aufnahmen mit dem optischen Sucher als auch bei Aufnahmen mit Live-Vorschau stets der gleich schnelle Autofokus zur Verfügung.

Dazu ist das Display der beiden Sony-Spiegelreflexkameras schwenkbar – wer jemals versucht hat, das fest montierte Display an Kameras wie der Nikon D700 oder Canon 450D zu nutzen, hat sich schnell wieder mit dem Sucher angefreundet. Aber das schwenk- und kippbare Display der Alpha 300 und 350 besitzt dieselbe Flexibilität wie das Display einer Kompaktkamera mit den Vorzügen einer Spiegelreflexkamera.


Sony setzt auf die neue Generation von Spiegelreflex-Fotografen. Fotografen, die nicht direkt von der analogen zur digitalen SLR gewechselt sind, sondern zuvor mit einer digitalen Kompaktkamera fotografiert haben, werden mit dem Sucher der SLR nicht ohne weiteres glücklich.

Auch wenn die Fotografen der analogen Generation von der hohen Auflösung ihrer Sucher schwärmen: Die Sucher der APS-C-Klasse verkleinern das Sucherbild, der Sucherrahmen stimmt nicht mit dem aufgenommenen Bild überein und am Ende haben sich die Besitzer von Kompaktkameras bereits daran gewöhnt, das Bild auf dem Display so zu sehen, wie es im nächsten Moment auch aufgenommen wird.

Am Rande

Allerdings stimmt das Bild auf dem Live-Display ebenfalls nicht mit dem Ausschnitt der Aufnahme überein, sondern das Display der Sony Alpha 350 gibt nur einen Ausschnitt von 91% wieder. Auch erscheint das Bild auf dem Live-Monitor weicher, so dass das Fokussieren auf Motive in größerer Entfernung nicht immer intuitiv ausfällt.

Beim Sucher ist dies nicht der Fall. Zwar haben professionelle und semiprofessionelle Spiegelreflexkameras eine Abblendtaste, die das Bild in der Helligkeit und mit der Schärfentiefe zeigt, bei der das Bild auch abgelichtet wird, aber die Abblendtaste fehlt an immer mehr SLRs der Einsteigerklasse und Mittelklasse. Auch an der Sony Alpha 350 gibt es keine Abblendtaste (die es noch an der Alpha 100 gab). Wie viele andere Kamerahersteller denkt sich Sony (nicht zu unrecht), dass kaum ein Einsteiger in die Fotografie mit der Spiegelreflexkamera seine Abblendtaste kennt und nutzt.

Im Gegensatz zu all den Vorurteilen gegenüber dem Live-View im hellen Sonnenlicht: Das Display der Sony Alpha 350 ist hell, klar, lichtstark und auch bei Sonnenschein gut nutzbar, nur leidet der Blick schon mal unter den Reflexionen des Hochglanzglases.

Sony Alpha 350: Richtig scharf stellen

So segensreich die Entwicklung des Autofokus auch sein mag – es gibt immer wieder Situationen, in denen sich der Autofokus zu einem anderen Objekt hingezogen fühlt oder mit einer monochromen Oberfläche ohne Struktur gar nichts anzufangen weiß. Das bedeutet nun keinesfalls, dass hier manuell scharf gestellt werden muss. Schon ein oberflächlicher Einblick in die Funktionsweise des Autofokus hilft, solche Situationen zu erkennen. Bei schwierigen Motiven liefert die Sony Alpha 350 die klassischen Gegenmaßnahmen für einen treffsicheren Autofokus.

Die Sony Alpha 350 hat 9 Autofokussensoren, die über den mittleren Bereich des Bildsensors verteilt sind. Bei einem leichten Druck auf den Auslöser bis zum ersten Druckpunkt stellt die Sony scharf und um den Bildbereich, den das Autofokussystem als Motiv identifiziert, erscheint ein grüner Rahmen. Wenn »Signaltöne ein« im Menü aktiviert ist, ertönt zudem ein Piepston. Der Ton stört viele Fotografen, aber das akustische Signal des Autofokus ist neben dem grünen Punkt immer noch die schnellste Kontrolle über den Autofokus.

Wenn der Autofokus einen anderen Bildbereich als Motiv identifiziert, dann hilft immer noch der alte Fokus-Trick beim Scharfstellen. Kamera mittig auf das Motiv richten, Auslöser bis zum ersten Druckpunkt drücken, Kamera leicht schwenken, wenn das Motiv nicht in die Mitte soll und auslösen.


Der FN-Knopf auf der Rückseite bringt die Funktionen auf das Display, die von erfahrenen Fotografen am häufigsten geändert werden. Dazu gehört auch das Autofokusfeld.

Beim großen Autofokusfeld wählt das Fokussystem das Motiv unter einem der neun Felder. Der mittlere Fokussensor ist ein Kreuzsensor, also empfindlicher und schneller als die übrigen Autofokusfelder.

Die meisten Fotografen nutzen bevorzug das mittlere Autofokusfeld und fotografieren bevorzugt durch Fokussieren auf die Mitte und dem schnellen Schwenk in den Bildaufbau.

Mit der dritten Option wählt der Fotograf das tonangebende Fokusfeld mit dem Navigations-Knopf auf der Rückseite.

Anmerkungen von Besuchern »

  1. Kommentar by Thorsten Andernach — 2. Juli 2009 @ 07:17

    Haben Sie schon die Sony Alpha 380 getestet? Ich habe noch eine Konika-Minolta und schwanke, ob ich jetzt eine Sony kaufe oder besser umsteige denn überall lese ich, dass die Sony Alpha 380 nur einen CCD-Sensor hat und keine CMOS und darum keine so gute Qualität hat wie andere Kameras.

  2. Kommentar by admin — 4. Juli 2009 @ 07:30

    Nein, die Sony Alpha 380 hatte ich noch nicht in der Hand.
    Aber ein CMOS-Sensor ist nicht automatisch eine bessere Qualität – eigentlich war es sogar umgekehrt, und die ersten CMOS-Sensoren lieferten nicht so eine hohe Qualität, heute stimmt das aber auch nicht mehr. CMOS-Senosren sind einfach flexibler beim Auslesen und können HD-Formate für Videos zur Verfügung stellen.
    Wir haben hier auch noch einen Artikel “CMOS oder CCD

  3. Pingback by Frühjahrs-Dynamik | Notizen aus der Provinz — 20. Dezember 2010 @ 10:27

    [...] Fotografiert mit der Sony, mit der ich mich so langsam anfreunde: Das schwenkbare Display der Sony Alpha 350 ist einfach unersetzlich. [...]


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