Thorsten Krug @ 2008-08

Die Abblendtaste

Der Blick durch den Sucher der Spiegelreflexkamera verrät nicht ohne Weiteres, wie weit die Schärfe reicht: Das bringt erst die Abblendtaste oder Schärfenkontrolle an den Tag.

Die bewusste Gestaltung mit Schärfe und Unschärfe ist in Zeiten digitaler Kameras ins Hintertreffen geraten. Der prüfende Blick durch den Sucher mit gedrückter Abblendtaste wird zu einer vergessenen fotografischen Tugend.

Gängige lichtschwache Zoom-Objektive (z.B. Lichtstärken wie 1:5,6 als lichtempfindlichste Blende bei nur 55 mm Brennweite) bringen einen langen Schärfebereich mit sich. Am Ende sorgen die Sensoren, die kleiner als der klassische analoge Film sind, für eine Schärfe so lang wie der Avus in Berlin.

Eine Schärfe von vorn bis hinten hat durchaus ihren Reiz … wenn wirklich alles im Bild scharf sein soll. Aber die Unschärfe trennt das Motiv vom Hintergrund und bringt eine plastische und räumliche Wirkung. Mit wachsender Erfahrung wünschen sich die Fotografen also lichtstärkere Objektive – besonders bei den größeren Zooms. Aber dann heißt es, die Blende sorgfältig zu wählen.

Der Blick durch die offene Blende

Spiegelreflexkameras zeigen das Bild im Sucher immer mit der größten Blende des Objektivs und so immer mit der kürzesten Schärfentiefe – ganz gleich welche Blende tatsächlich gewählt ist. An der analogen Kamera gab es kein Display zur sofortigen Kontrolle der Aufnahme und ohne Abblendtaste oder Schärfenkontrolle hätte es kein Mittel zur Kontrolle der Schärfe im Bild gegeben.


Die Frage, ob auch auch jedes Blatt des Farns wirklich scharf wird, kann erst die Abblendtaste verraten.

Sucher oder Display?

Heute können wir die Schärfentiefe (oder Tiefenschärfe) mit dem Display der Digitalkamera prüfen. So ist es kein Wunder, dass die Abblendtaste und mit ihr die bewusste Gestaltung mit Blende und Belichtungszeit immer mehr an Bedeutung verlieren.

Schnelles Prüfen der Schärfe | Aber auch mit einer digitalen Kamera ist der kurze Tastendruck beim Blick durch den Sucher besser zur schnellen Beurteilung der Schärfentiefe geeignet als das umständliche Zoomen in die gespeicherte Aufnahme auf dem Display. Auch mit dem Live View kann in vielen Situationen die Reichweite der Schärfe nicht schnell genug geprüft werden. So ist es am Ende wirklich schade, dass immer mehr Einsteigerkameras auf den kleinen Knopf für die Kontrolle der Schärfentiefe verzichten.

Die Abblendtaste | Technisch gesehen ist die Funktion der Abblendtaste banal. Damit der Sucher das Bild immer so hell wie möglich zeigt, schließt die Kamera nur im Moment der Aufnahme die Blende auf den eingestellten Wert. Betätigt man aber vor dem Auslösen die Abblendtaste, wird die Blende geschlossen und die Kamera zeigt das Bild im Sucher wie es auch aufgenommen wird. Nur so wird sofort sichtbar, welcher Bildbereich scharf wird und welche Bildbereiche unscharf bleiben. Auch die tatsächliche Helligkeit der späteren Aufnahme wird sichtbar.

Der (wenig optimale) Trick fürs Scharfstellen

Da nimmt es kein Wunder, dass viele Fotografen gern eine kleine Blende einstellen, um eventuelle Fehler beim Scharfstellen zu kaschieren. Schließlich könnte man die Unschärfe anschließend durch die digitale Bildbearbeitung ins Bild bringen. Das ist wahr, aber nicht ganz richtig. Der digitalen Bildbearbeitung fehlt nämlich die dritte Dimension. Aus den zweidimensionalen Bilddaten lässt sich im Bearbeitungsprogramm nicht mehr herauslesen, welcher Bildteil bei der Aufnahme in welcher Entfernung zur Kamera lag. Doch gute Unschärfe braucht den Verlauf von Scharf nach Unscharf. Das lässt sich mit Photoshop & Co. nur durch aufwändige Masken für den Tiefenschärfe-Filter realisieren, mit denen die Unschärfe relativ zur Entfernung vom Objekt gesteuert werden kann.

Maus oder Abblendtaste? | Wer schon mal versucht hat, in mehrstündiger Arbeit eine überzeugend wirkende Unschärfe in ein gestochen scharfes Bild zu bringen, der wird sich vor der nächsten Aufnahme die Sekunde Zeit gönnen, die Schärfe mit Hilfe der Abblendtaste genau dahin zu bringen, wo sie sein soll.

Am Ende – so widersprüchlich es auch klingt – ist die Schärfe bei kleinen Blenden selten so brillant wie bei großen und mittleren Blenden, bei denen die meisten Objektive ihre Höchstleistung erreichen. Also: Einfach mal nach der Abblendtaste oder Schärfenkontrolle (wie die Taste an den Canon-Kameras heißt) greifen.

Anmerkungen von Besuchern »

  1. Kommentar by Viktor — 10. September 2008 @ 14:27

    Alles wahr, jedoch bei den kleineren DSLRs wozu ich auch die EOS XXX(X)D Serie zu zähle ist der abgeblendete Blick nichts mehr Wert, da der kleine Sucher so dunkel wird, dass man nichts mehr erkennen kann….

  2. Kommentar by U. Häßler — 10. September 2008 @ 14:36

    Wie wahr. Der Artikel über die dunklen kleinen Tunnel der Einsteiger-Spiegelreflexkameras lauert bereits auf sein Erscheinen.


RSS-Feed für Anmerkungen zu dieser Seite.
TrackBack URL

Quicktipps

Wenn der Himmel zu eintönig ist


Wolken lassen sich mit Pinseln einmalen. Alternative Pinselspitzen für Wolken hat z.B. grenouille-enchantee.

Pinselspitzen oder Photoshop Brushes haben die Dateiendung abr und werden in das Photoshop-Verzeichnis Pinsel oder Brushes kopiert. In Photoshop das Pinsel-Werkzeug in der Werkzeugleiste aktivieren, um die Pinsel-Sammlung anzuzeigen. Oben rechts in der Pinselsammlung auf das Dreieck klicken, um die frisch eingeflogenen Pinselspitzen zu laden.

Für das nachträgliche Einziehen von Wolken ist eine neue leere Ebene am besten geeignet. Die Pinselgröße anpassen, Woken einklicken und mit dem Radiergummi die Wolke wegradieren, wenn sie sich über die Baumspitzen legt. Oder die Ebene hin- und herschieben, bis die Wolken richtig sitzen.