
Immer beweglich bleiben, bis das Livebild der Spiegelreflexkamera der Kompakten das Wasser reichen kann …
Da heutzutage die meisten Fotografen schon vor dem Kauf einer Spiegelreflexkamera mit einer digitalen Kompaktkamera fotografiert haben, steht ein Live View – die Vorschau auf dem rückwärtigen Display der Kamera – weit oben auf der Wunschliste für die technische Ausstattung der Spiegelreflexkamera.
Ein Live View mit einem schwenkbaren Display verheißt mehr Freiheit für die Bildgestaltung. Die Kamera kann beim Porträt in Brust- oder Bauchhöhe des Fotografen gehalten werden – das bringt Mittelformat-Feeling wie einst an der Hasselblad oder Mamyia. Ohne Klotz vor dem Gesicht fällt die Regie bei Gruppenaufnahmen leichter und bei Kinderfotos kann der Fotograf Blickkontakt aufnehmen.
Im Livebild erkennt der Fotograf einen falsch eingestellten Weißabgleich und hat einen exakten Bildausschnitt. Brillenträger atmen auf, wenn sie die Brille nicht mehr an den Sucher drücken müssen.
An der Spiegelreflexkamera ist die Realisierung eines Live Views aufwändiger als bei der Kompaktkamera: Der Spiegel ist im Weg. So musste die digitale SLR in den ersten Jahren vollkommen auf das Vorschaubild verzichten. Erst Olympus machte 2006 mit der E-330 den Anfang.
Aber Live View ist nicht Live View. Der Nutzen der Vorschau hängt nicht nur von Größe und Auflösung des Displays ab. Ist das Display schwenkbar ist oder nicht? Wie schnell ist der Autofokus der Livevorschau? Kann ich die Kamera vom Computer aus zu steuern? Auf jeden Fall aber ist das Handling des Live View einer Spiegelreflexkamera eine völlig neue Erfahrung für Fotografen, die sich an die Vorschau ihrer Kompakten gewöhnt haben.
Autofokustechnik für den Live View
Autofokus SLR :: Kompakt
Der normale Autofokus der Spiegelreflexkamera nutzt eine schnelle Phasen-Erkennung auf einem gesonderten Fokussensor, während Kompaktkameras mit einer Kontrastbestimmung auf dem Aufnahmesensor scharf gestellt werden. Die Kontrastbestimmung ist tendenziell langsamer als das Fokussieren über die Phasenerkennung, die in Spiegelreflexkameras eingesetzt wird.
Bei der Technik hinter dem Live View scheiden sich die Geister. Die erste Differenz offenbart sich im Verhalten des Spiegels.
Wird der Spiegel für den Live View geliftet, funktioniert der normale Autofokus der Spiegelreflexkamera nicht. Also muss die Kamera den Spiegel beim Fokussieren herunter- und nach dem Scharfstellen wieder hochklappen, um den Live View erneut frei zu geben. So funktioniert der Autofokus bei Nikon, Canon und Olympus.
Wenn ein gesonderter Sensor das Livebild erzeugt, muss die Kamera den Spiegel nicht hochklappen und das Bild durch das Sucherokular bleibt erhalten. Der Autofokus funktioniert „normal“ (Sony).
Canon EOS 40D
Der Set-Button in der Mitte des Navigationsrads aktiviert den Live View-Modus, der optionale Autofokus wird durch den AF-ON-Button aktiviert. Optional, weil erst ausgiebige Einstellungen im Menü der Canon EOS 40D den Autofokus zuschalten und Informationen wie das Histogramm und die Belichtungssimulation zuschalten.
Beim Fokussieren klappt der Spiegel herunter, ist das Bild scharf oder wird der AF-ON-Button losgelassen, schwenkt der spiegel zurück, um den Live View wieder in Gang zu setzen. Dazwischen bleibt der Monitor schwarz wie die Nacht, damit der Fokussensor freie Sicht hat. Während das Display dunkel ist können feinhörige Fotografen durch die typische Anfahrt des Objektivs oder das Tonsignal hören, dass der Autofokus gegriffen hat. Erst dann zeigt der Blick auf den Live-Monitor, welcher Bildteil scharf gestellt wurde.

- Die 5-fache und 10-fache Vergrößerung des Bildausschnitts ist eine hervorragende Hilfestellung beim exakten Fokussieren – sei es nun der Autofokus oder das manuelle Fokussieren.

- Allerdings ist die Vorschau bei Aufnahmen aus der Hand mit längeren Brennweiten schnell verwackelt, so dass ebenso schnell ein Stativ erforderlich ist – immerhin hält der Fotograf hier keine leichte Kompaktkamera, sondern schon knapp ein Kilo ohne das Gewicht des Objektivs in der Hand.

- Das Scharfstellen bei 5- oder 10-facher Vergrößerung geht allerdings schon als Sahnebonbon durch: Das Display zeigt ein helles und superscharfes Bild.

- Für viele Fotografen wird das Histogramm im Display der wahre Clou des Fotografierens mit einem Live View sein.
Eine Änderung des Weißabgleichs zeigt sich sofort auf dem Display, die Zusatzoption ExpSim (Exposure Simulation) zeigt die reale (geschätzte) Belichtung an, die Schärfentiefe zeigt sich bei kleinen Blenden wie gewohnt mit der Abblendtaste.

- Per Steuersoftware lässt sich die Canon EOS 40D komfortabel vom Computer aus steuern – da kommt Canon die Erfahrung aus den Steuerprogrammen der Kompaktklasse entgegen.
Fazit: Für Aufnahmen im Studio oder vor Ort mit dem Stativ ist auch der fest eingebaute Live View ein Gewinn – neben der ersten Beurteilung der Farben ist das Histogramm eine perfekte Belichtungskontrolle. Dank 5- oder 10-facher Vergrößerung sind sowohl das manuelle Scharfstellen als auch die Nutzung des Autofokus sicher.

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