U. Häßler @ 2008-06

Der Autofokusspeicher

Auch wenn das Motiv auf dem Foto noch so aufregend ist, egal wie gut die Belichtung gelingt und wie schön die Farben harmonieren – wenn das Bild nicht an der richtigen Stelle scharf ist, haben wir mal wieder einen schönen Schnappschuss vermasselt …

Das Autofokussystem der Kamera soll das Objektiv so einstellen, dass die Schärfe auf dem Motiv liegt – es soll das Motiv in den Fokus setzen.

Aber auch wenn die Autofokussysteme der modernen Kameras noch so raffiniert sind, schießt der Autofokus doch schon mal daneben. Die Autofokustechniken der Kamerahersteller sind keineswegs einfach und brauchen in vielen Situationen immer noch ein wenig Hilfe vom Fotografen, damit sie auch tatsächlich das richtige Motiv treffen.


Manuell scharf stellen

Wenn der Fotograf manuell scharf stellt, dreht er entweder den Entfernungsring seines Objektivs so lang in eine Richtung, bis das Motiv scharf und klar im Sucher liegt. Wenn er zu weit dreht und die perfekte Position verpasst, dreht er den Entfernungsring wieder ein wenig zurück. Bei einem Objektiv mit einer Entfernungsskala kann der Fotograf die Entfernung zum Motiv direkt einstellen. Heute haben allerdings nur noch wenige Objektive eine Entfernungsskala und obendrein fällt es uns meist schwer, eine Entfernung exakt zu schätzen.

Die verschiedenen Techniken hinter dem Autofokus ahmen diese Verfahren nach. Beim passiven Autofokus nutzt die Kamera eine Kontrastmessung auf dem Sensor oder analysiert eine Phasenverschiebung zwischen zwei Bildausschnitten, beim aktiven Autofokus sendet die Kamera ein Signal, um die Entfernung zum Motiv zu messen.


Der aktive Autofokus ist das ältere System. Es funktioniert mit einem Infrarotstrahl und das auch noch, wenn die schwarze Katze vor dem Kohlehaufen ins Visier genommen wird. Dafür kann er nicht durch Glas sehen und steckt schnell auf, wenn das Motiv sehr nah vor dem Objektiv liegt – also bei Nahaufnahmen.

Heute kommt vorwiegend der passive Autofokus zum Einsatz. Die ersten Kameras mit einem passiven Autofokus kamen schon Mitte der 80er Jahre auf den Markt und hatten eine einzelne Sensorzeile in der Mitte der Filmfläche. Um dem Fotografen zu zeigen, wo der Autofokussensor sitzt, zeigte der Sucher in der Mitte ein kleines Viereck.

Wenn das Motiv nun aber nicht in der Mitte des Suchers liegt, liegt auch der Autofokus daneben und stellt auf das Objekt in der Mitte scharf. Das läuft einem Grundgedanken der Bildgestaltung entgegen: In der Bildmitte soll nichts Bildwichtiges liegen.

Der Autofokusspeicher

Damit sich der Bildaufbau nicht an den Autofokusfeldern orientieren muss, gibt es den Autofokus-Speicher (AF-Lock), die bei den meisten Kameras mit dem Auslöser kombiniert ist. Der Auslöseknopf hat zwei Positionen. Wird der Auslöser sanft gedrückt, bemerkt man auf halben Wege einen leichten Widerstand: An dieser Stelle misst das Autofokussystem, bringt dann blitzschnell die Linsen des Objektivs in Position und verhindert jetzt jede weitere Messung bis der Fotograf den Auslöser endlich ganz herunterdrückt.

Dieser Vorgang läuft so schnell ab, dass der flinke Fotograf bei seinem Schnappschuss nichts von dem komplizierten Ablauf hinter dem Auslöser mitbekommt.

Erst scharf stellen, dann Bildaufbau

Die frühen Autofokussysteme hatten nur ein einzelnes Fokusfeld. Die Kamera konnte so nur auf das Motiv in der Bildmitte scharf stellen. Die Fotografen halfen sich mit einen Trick: Sie richteten die Mitte des Suchers auf das Motiv – so als solle das Motiv in die Mitte des Bildes gesetzt werden –, drückten den Auslöser halb durch und wenn der Autofokus durch ein kurzes Aufleuchten des Autofokusfeldes „Fokus gepackt“ meldete, hielten sie den Auslöser mit sanftem Druck fest.


Dann reichte ein kleiner Schwenk der Kamera, den gewünschten Bildaufbau einzurichten, und jetzt erst wurde der Auslöser ganz durchgedrückt. „Erst scharf stellen, dann Bildaufbau“ – so heißt die kleine fotografische Regel für dieses Vorgehen.

Natürlich darf der Fotograf jetzt keinen Schritt vor- oder zurückgehen – dann stimmt der gemessene Fokus nicht mehr und die Prozedur muss wiederholt werden. Bei Nahaufnahmen kann schon ein hauchzartes Zurücklehnen die Schärfe an die falsche Stelle setzen.

Anmerkungen von Besuchern »


RSS-Feed für Anmerkungen zu dieser Seite.
TrackBack URL

Quicktipps

Wenn der Himmel zu eintönig ist


Wolken lassen sich mit Pinseln einmalen. Alternative Pinselspitzen für Wolken hat z.B. grenouille-enchantee.

Pinselspitzen oder Photoshop Brushes haben die Dateiendung abr und werden in das Photoshop-Verzeichnis Pinsel oder Brushes kopiert. In Photoshop das Pinsel-Werkzeug in der Werkzeugleiste aktivieren, um die Pinsel-Sammlung anzuzeigen. Oben rechts in der Pinselsammlung auf das Dreieck klicken, um die frisch eingeflogenen Pinselspitzen zu laden.

Für das nachträgliche Einziehen von Wolken ist eine neue leere Ebene am besten geeignet. Die Pinselgröße anpassen, Woken einklicken und mit dem Radiergummi die Wolke wegradieren, wenn sie sich über die Baumspitzen legt. Oder die Ebene hin- und herschieben, bis die Wolken richtig sitzen.