U. Häßler @ 2008-07

George Barr: Besser Fotografieren

Lassen wir das Rauschen bei hohen ISO-Werten und den Cropfaktor mal in der Fototasche und legen die Leistungsdaten unserer Objektive doch einfach mal zur Seite.

»Besser Fotografieren« von George Barr ist ein Fotospaziergang mit einem Fotografen, ein intensives Gespräch über Bildbearbeitung und ein Diskurs über fotografische Kreativität bei einem Glas Wein (das man sich neben die Couch stellt).


Amerikanische Fachbuchautoren plaudern ja gern – so ist Scott Kelby (»Das Digitale Fotografie Buch«) eine der ganz großen Plaudertaschen. Er hat eine gewinnende Art, so dass er auch in Deutschland eine ansehnliche Anhängerschaft hat, obwohl den Büchern (nicht zu unrecht) ein hohes Maß an Oberflächlichkeit nachgesagt wird.

Barr hingegen geht unter die Oberfläche und erzählt aus seinem ganz persönlichen Nähkästchen der Fotografie. In erster Linie unterhält sich George Barr mit Fotografen, die bereits ein ordentliches technisches Niveau erreicht haben und vermittelt seine Einstellungen zur Bildkomposition, zum Nachahmertrieb (über Fotografen, die gern das meistfotografierte Landschaftsbild noch einmal fotografieren), er erzählt wertfrei von seinem Vorgehen bei der Motivwahl und wie viel Zeit er in die Bearbeitung seiner Aufnahmen investiert.

Kein Regelwerk, keine Beschreibung eines Arbeitsablaufs, kein strategisches Vorgehen, keine technischen Kniffe. Da hört man einfach zu (sprich: liest ein Kapitel) und sagt sich dann: „Schau an, so macht er das also …“.
Mir persönlich hat es gut getan, dass er freizügig erzählt, wie er seine großen Fotografien „stitcht“, um an große Formate zu kommen. Ich brauche keine weitere ellenlange Erklärung zur Interpolation digitaler Bilder und keine neuen Megapixel.

Da lese ich heraus, dass seine Fotografien ein Gesamtkunstwerk sind – wie einst in der Dunkelkammer („Jedes gute Bild ist eine Nacht in der Dunkelkammer“ war einer der weisen Sprüche der Altvorderen unter den Fotografen). Natürlich ist seine Dunkelkammer das Bildbearbeitungsprogramm und beim Stichwort „Tonwertkorrektur“ setzt Barr den technischen Hintergrund einfach voraus – ein Grund, warum sich das Buch eher an Fotografen mit einem breiten technischen Hintergrund wendet und Anfänger an vielen Stellen im Dunkeln stehen lässt.

Für Fotografen von dieser Seite des großen Teichs ist die amerikanische Art der Selbstfindung in Fachbüchern ungewohnt – das hat ein wenig den Charakter von Selbsterfahrungskursen beim Töpfern. Ich lese über solche Passagen einfach weg oder springe in ein anderes Kapitel.

Genug geplaudert. »Besser Fotografieren« von George ist ein gutes Lesebuch für Fotografen, die sich die Zeit nehmen, über ihre eigenen Ziele, ihre Arbeitsweise und den Sprung von der Fototechnik zur Fotokunst zu sinnieren, weil sie einen Schritt weiter kommen wollen. Es wäre schön, wenn die Fotokunst in Deutschland einmal ebenso groß geschrieben würde wie die all gegenwärtigen Messdaten unserer Kameras.

George Barr Besser Fotografieren“>George Barr | Besser Fotografieren: Die hohe Schule der kreativen Fotografie
Gebundene Ausgabe, 224 Seiten
Verlag Dpunkt; Erste Auflage (April 2008)
ISBN-10: 3898645436
ISBN-13: 978-3898645430
EUR 36,00

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Quicktipps

Wenn der Himmel zu eintönig ist


Wolken lassen sich mit Pinseln einmalen. Alternative Pinselspitzen für Wolken hat z.B. grenouille-enchantee.

Pinselspitzen oder Photoshop Brushes haben die Dateiendung abr und werden in das Photoshop-Verzeichnis Pinsel oder Brushes kopiert. In Photoshop das Pinsel-Werkzeug in der Werkzeugleiste aktivieren, um die Pinsel-Sammlung anzuzeigen. Oben rechts in der Pinselsammlung auf das Dreieck klicken, um die frisch eingeflogenen Pinselspitzen zu laden.

Für das nachträgliche Einziehen von Wolken ist eine neue leere Ebene am besten geeignet. Die Pinselgröße anpassen, Woken einklicken und mit dem Radiergummi die Wolke wegradieren, wenn sie sich über die Baumspitzen legt. Oder die Ebene hin- und herschieben, bis die Wolken richtig sitzen.