Nachtaufnahmen: Kleine oder große ISO-Werte? Eine hohe ISO-Empfindlichkeit ist ebenso wenig angebracht wie ein Blitz. Hohe ISO-Werte bringen nur ein stärkeres Rauschen zutage.

- Available Light innen – bei schwachen Lichtverhältnissen aus der Hand fotografieren geht mit hohen ISO-Werten (3200). Das starke Rauschen passt zur düsteren Athmosphäre (1/15 sek, Blende F 5.6).
Wer nicht gezielt die raue Bildsprache einer Straßenszene ins Bild setzen will, nimmt lieber die lange Belichtungszeit auf dem Stativ zugunsten einer höheren Qualität mit überraschend geringem Rauschen in Kauf. Nicht gleich in Panik geraten: Bei Langzeitbelichtungen beginnt gleich nach dem Ende der Belichtung auch noch eine lange Bearbeitungszeit des Bildes in der Kamera.
Der kleinste ISO-Wert empfiehlt sich gerade für Kompakt- und Bridgekameras, die mit ihren kleineren Sensoren anfälliger für die Störungen in Form von fehlfarbigen Pixeln im Bild sind.

- Blende F9, 25 sek, Brennweite 30 mm an Sony Alpha 350
Das Rauschen bei ISO 200 ist Teil des nächtlichen Bildcharakters – bei Nachtaufnahmen ist nicht die brillante keimfreie Sauberkeit der Sonnenschein-Fotografie gefragt.
Natürlich kann auch die Langzeitaufnahme mit dem Stativ das Rauschen nicht völlig unterbinden. Aber sowohl Motive der Großstadt bei Nacht als auch Aufnahmen von geheimnisumwitterten Häusern im dunklen Schatten der Bäume zeigen immer wieder, dass die Fotopresse und viele Fachbücher der Fotografie das Rauschen überbewerten: Bildrauschen trägt ebenso zum Charakter einer Aufnahme bei wie einst das Korn des Films oder die raue Struktur des Barytpapiers.
Die Blende für die Nachtfotografie
Schärfentiefe und finstere Nacht
Die große Schärfentiefe schafft ein weiteres Problem der Nachtfotografie aus dem Weg: In der Dunkelheit greift der Autofokus nur unzuverlässig und auch ein manuelles Scharfstellen ist auch nicht immer einfach. Weder das Display noch der herkömmliche optische Sucher sind eine zuverlässige Hilfe. Nur der elektronische Sucher – z.B. an der Panasonic Lumix G1 – macht durch die Aufhellung noch ein sicheres Scharfstellen auf den Punkt möglich.
Je kleiner die Blende, desto länger wird auch die Belichtungszeit – aber trotzdem ist für die meisten Nachtaufnahmen keine große Blende gefragt. Immerhin steht die Kamera ja auf dem Stativ und ob die Aufnahme nur drei oder zehn oder 30 Sekunden braucht, spielt dann keine Rolle mehr. Mittlere und kleine Blenden bringen eine große Schärfentiefe und schaffen eine plastische Atmosphäre. Die Unschärfe der großen Blenden, die bei Tag das Motiv vom Hintergrund trennt, ist in Nachtaufnahmen nicht mehr wichtig – hier trennen die dunklen Schatten das Motiv ohne die Auflösung der großen Blende. Die Tiefenschärfe bringt ihren eigenen visuellen Reiz: Der Betrachter bekommt Katzenaugen.

Blende F3,2, Brennweite 40 mm, scharfgestellt auf die hyperfokale Distanz, dann reicht die Schärfe über die ganze Tiefe des Bildes.
Belichtungsreihen und Belichtungskorrekturen
Der Druck auf die Taste für die Belichtungskorrektur zeigt eine analoge Skala und ein Dreh am Einstellrad oder am Vierwege-Taster auf der Rückseite der Kamera erlaubt dem Fotografen, die Belichtungszeit in kleinen Schritten zu verringern oder zu verlängern. 
Belichtungsreihen mit unterschiedlichen Belichtungen bieten später bei der Auswertung des Bildmaterials die Möglichkeit, verschiedene Belichtungen zu vergleichen oder durch eine einfache Montage aus zwei Aufnahmen überbelichtete Bereiche in die ansonsten gelungen Aufnahme zu montieren. Belichtungsreihen lassen sich an vielen Kameras und insbesondere bei den meisten Spiegelreflexkameras programmieren, so dass die Aufnahme mit unterschiedlichen Belichtungszeiten erfasst werden. Wenn das zu kompliziert ist oder die Kamera diese Funktion gar nicht unterstützt, hilft die Belichtungskorrektur, die an fast jeder Kamera – selbst an ganz einfachen Kompaktkameras – meist schon also Knopf am Kamerabody zu finden ist.
Die Welt verändert sich …
Einfach, aber anschaulich – das sind Fotoserien, in denen das Motiv mehrfach von der einbrechenden Dämmerung bis in die dunkle Nacht abgelichtet wird. Mit der Qualität des Lichts ändert sich die Bildstimmung. Banale und triste Orte zeigen mit fortschreitender Dunkelheit ein spektakuläres Gesicht.
Eine Thermoskanne mit Kaffee und eine ISO-Matte als Sitzunterlage verheißen ein ruhiges Picknick von der Dämmerung bis in die dunkle Nacht.
Bildgestaltung und Horizont in Nachtaufnahmen
Auch ein Nachtfoto muss gut gestaltet sein, um den Blick zu fesseln. Nehmen Sie einfach eine ungewöhnliche Perspektive ein, nachdem Sie in einer bequemen Position alle Einstellungen an der Kamera getroffen haben. Dann also die Beine des Stativs auf die niedrigste Position einfahren …
Gehen Sie auf den Boden, führen Sie den Blick hin zum Motiv, indem Sie sich über Flächen und Linien zum Motiv hin tasten.
Denken Sie daran, dass ein gutes Bild einen Vordergrund und einen Hintergrund braucht. Dabei kann der Vordergrund einfach aus ein paar unscharfen Blättern oder dicht an der Kamera vorbeilaufenden Menschen bestehen.

- Dämmerung in Amsterdam – zur Blauen Stunde strahlen die malerischen Häuser entlang der Grachten noch mehr Charakter aus als am Tag. Durch den Einzug des Vordergrunds erhält das Foto mehr Raumtiefe.
Die wichtigsten Tipps für die Nachtfotografie
- Lieber Bildbereiche in die geheimnisvolle Tiefe der Dunkelheit stützen als größere ausgerissene weiße Lichter in Kauf nehmen
- Auf keinen Fall die Taschenlampe vergessen – sonst ist die Play-Taste für die Wiedergabe des Bildes im tiefen Dunkel nicht zu finden
- Lieber ein Stativ mitschleppen als mit hohen ISO-Zahlen fotografieren
- Bei extremen Langzeitaufnahmen zwischen Phasen ohne das gewünschte Motiv einen schwarzen Karton vors Objektiv
- Kleine Blenden (Blende F9 bis Blende F16) für eine lange Schärfentiefe – Motive bei Nacht brauchen keine Auflösung im Hintergrund

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